Historische Dörfer in Piemonte

Candelo, Garessio, Macugnaga, Mombaldone, Neive, Orta San Giulio, Ostana, Pontechianale, Usseaux

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.borghiautenticiditalia.it

 

Neive (Cn)

Historische Dörfer in Piemonte
Historische Dörfer in Piemonte

 Diese Dörfer wurden von "Borghi autentici d'Italia" (unverfälschte Dörfer Italiens) und "Borghi più belli d'Italia" (die schönsten Dörfer Italiens) genannt und verteilen sich auf die sechs Provinzen von Piemonte.

 

In den Gebieten der „Borghi Autentici“ (etwa: Unverfälschte Dörfer) Levice, Bergolo und Cortemilia konzentriert sich der Großteil des Anbaus der “Piemont- Haselnüsse” („Nocciole del Piemonte“), einem wichtigen Bestandteil der Konditorei von Piemonte und wesentliches Antriebselement der lokalen Wirtschaft. Die als “tonda gentile” (etwa: rund und süß) bezeichnete Haselnuss der Langhe wurde mit dem Markenzeichen der Typischen Ursprungsbezeichnung ausgezeichnet (Indicazione Geografica Tipica). Der kleine mittelalterliche Ort mit dreieckigem Grundriss Bergolo zählt heute nur noch etwa siebzig Einwohner. Trotzdem ist er mit seinen geschickt umgebauten Steinhäusern und seiner Panoramalage über den steilen Hängen zwischen dem Bormida-Tal und dem Uzzone-Tal ungemein faszinierend. Bei einem Spaziergang durch die Haselnussplantagen führt der Weg durch Levice, d.h. die Langa mit trocken errichteten Steinmauern, das Land der Trüffel und der Bauernhäuser, die den Hintergrund der Erzählungen von Cesare Pavese und Beppe Fenoglio bildeten. Cortemilia ist mit seinen 2.600 Einwohnern der wichtigste Ort des Gebiets Alta Langa und die Hauptstadt der Haselnuss. Seine unbestreitbare naturalistische Schönheit schenkt tiefe Suggestionen und ästhetische Emotionen, die nur schwer zu vergessen sind. Der „Borgo autentico“ Saluzzo ist ein kleines, faszinierendes Städtchen in der Provinz Cuneo, wo die Täler des Monviso sich zu einer Ebene voller Obstplantagen ausbreiten. Die Hauptstadt einer vierhundertjährigen Markgrafschaft hat in ihrer Stadtanlage aus dem Ende des 15. Jahrhunderts ihren historischen Kern fast unverändert bewahrt, der sich fächerförmig an den Hügel schmiegt und ursprünglich von einer zweifachen Ringmauer umschlossen war. Der vom imposanten Castiglia überragte Ort ist eine Flucht von gepflasterten Sträßchen, steilen Treppen, Kirchen und eleganten Adelspalästen mit Loggias und Altanen rings um verborgene Gärten. Saluzzo ist eines der exklusivsten italienischen Zentren des Antiquariats, der Kunstmöbel und der Restaurierung. Auch das Holz- und Eisenhandwerk besitzt eine jahrhundertealte Tradition, die noch heute in Familienbetrieben fortgesetzt und alljährlich durch Antiquitätenausstellungen (Mai) und Möbelausstellungen (September) in den Vordergrund gerückt wird.

 

Nur wenige Kilometer von Biella entfernt liegt Candelo, ein antikes Dorf, das einen Rekord aufzuweisen hat: es besitzt das intakteste Wehrdorf von Piemonte. Ein Wehrdorf ist ein befestigtes Dorf, das von der Bevölkerung zu Friedenszeiten als Lager für Landwirtschaftsprodukte und zu Kriegszeiten als Schutzunterkunft genutzt wurde. Das Wehrdorf von Candelo wurde zwischen dem dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert erbaut, besitzt einen fünfeckigen Grundriss und erstreckt sich auf eine Fläche von 13.000 Quadratmetern. Mit Steinplatten gedeckte Dächer, Balken und Holz gehören dagegen der provenzalischen Kultur an und charakterisieren die Landschaft von Chianale im Gebiet von Cuneo, einem Ort voller Zauber, der noch sehr stark an die alpine und provenzalische Kultur gebunden ist, die von den wenigen, „Montagnards“ genannten Einwohnern stolz zur Schau getragen wird. Eine Kultur, die uns in eine Zeit zurück versetzt, in der Troubadoure im Alevé, dem größten Zirbelkiefernwald Europas an den Hängen des Monviso, Verse verfassten und Lieder komponierten. Ebenfalls im Gebiet von Cuneo kann man Ostana besichtigen, einen kleinen Ort mit verstreuten Weilern und Blick auf den Monviso. Auch hier verschmilzt die Architektur geschickt Holz und Stein und deckt die Häuser mit Steinplatten. Nicht weit entfernt ist in der Ortschaft Miribrart die Einrichtung eines diffusen Hotels und eines Ökomuseums für alpine Architektur geplant. Ebenfalls im Gebiet von Cuneo, jedoch auf der zur Langhe gerichteten Seite, liegt  Neive , Heimat des Barbaresco und der weißen Trüffel, das wie Candelo ein antikes Wehrdorf besitzt. Die Stadtanlage ist noch mittelalterlich: die Häuser mit ihren roten Dächern sind aneinander geschmiegt und von der Anhöhe des historischen Ortskerns aus genießt man eine herrliche Aussicht auf die umliegenden Weinberge. Das älteste Gebäude ist Casa Cotto: es geht auf das 13. Jahrhundert zurück, ebenso wie der nahe Torre dell’Orologio (Uhrturm), der unter der Herrschaft der Stadt Asti errichtet wurde. An der Straße nach Ligurien trifft man auf  Garessio, die Perle der Seealpen, nicht weit entfernt von der westlichen Riviera, von der Cote d’Azur, von Monreale und von der Langa. Der Ort ist in vier Weiler geteilt - Borgo Maggiore mit dem Rathaus und der Bibliothek, Borgo Poggiolo mit der dem Hlg. Antonius von Padua geweihten Pfarrkirche, Borgo Ponte, wo noch das steinerne Portal der Kirche San Giovanni, d.h. des ältesten religiösen Gebäudes von Garessio erhalten geblieben ist, und schließlich Borgo Valsorda, wo sich die Wallfahrtskirche der Beata Vergine delle Grazie (Gnadenjungfrau) befindet.
Wir verlassen nun das Meer, um im Gebiet von Novara am See einen der suggestivsten Orte von Piemonte zu erreichen, Orta San Giulio. Das von Schriftstellern und Dichtern geliebte Orta ist eine kleine Ortschaft, die durch enge, sehr malerische Gassen charakterisiert ist: die wichtigste davon führt zur Piazza Motta, wo die Boote zur Insel San Giulio abgehen. Die von der gleichnamigen Basilika und dem 1844 auf den Ruinen des Schlosses erbauten Seminar überragte Insel hospitiert das Kloster der Benediktiner Klausurschwestern. Im Gebiet von Verbano Cusio Ossola liegt auch Macugnaga, in dessen Nähe sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die ersten, aus der Schweiz kommenden Kolonen ansiedelten, d.h. die Walser, deren typische Behausungen mit Steinsockeln, Aufbauten und Innenausbau vollständig aus Holz mit charakteristischen Balkonen und steingedeckten Walmdächern noch heute zu sehen sind. Ein wundervolles Beispiel für diese Architektur ist das Casa Museo Walser (Walser- Museumshaus) in der Ortschaft Borca. Ganz ähnlich, wenn auch in einem ganz anderen Gebiet von Piemonte, nämlich im Herzen des Tals Val Chisone, liegt im Schutz der Berge Albergian, Orsiera und Rocciavré der Ort  Usseaux , wo die Wände und die Dächer der Häuser aus Stein sind, mit nach Süden gerichtetem Eingang und einem rückseitigen, tiefer gelegenen und geschlossenen Gebäudeteil. Ein seltenes Beispiel für das Mittelalter in der Langa um Asti ist  Mombaldone, einst von den Langobarden beherrscht. Der antike, noch heute von seinen ursprünglichen Einfassungsmauern geschützte Ort ist gut erhalten und besitzt noch Originalgebäude aus Sandstein, die für dieses Gebiet typisch sind. Von Via Cervetti kommend kann man das Rundbogentor bewundern, das den Eingang zum Wehrdorf bildet, das in seiner mittelalterlichen Form intakt geblieben ist. Innerhalb des Dorfs befinden sich das Oratorio dei SS. Fabiano e Sebastiano (Oratorium der Heiligen Fabian und Sebastian), sowie die von Giovanni Matteo Zucchi entworfene Chiesa di S. Nicola (Kirche Sankt Nikolaus) mit sechseckigem Grundriss.

Datum letzte Aktualisierung: 16/06/2011

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