Die Synagogen von Piemonte

Alessandria, Asti, Carmagnola, Casale Monferrato, Cherasco, Cuneo, Mondovì, Saluzzo, Torino, Vercelli

Casale Monferrato (Al)


«Der katholische, apostolische und römische Glaube ist die einzige Staatsreligion. Die anderen, heute bestehenden Glaubensbekenntnisse werden entsprechend den Gesetzen geduldet». Dies ist der Artikel Nr. 1 des Albertinischen Status, das im Jahr 1848 erstmals die Gleichberechtigung der hebräischen Gemeinschaft von Piemonte erklärte. Eine Präsenz mit wechselhaftem Glück, die hier schon seit den Anfangsjahren des 15. Jahrhunderts verwurzelt ist, was zahlreiche Synagogen im Gebiet bezeugen, die wahre Schmuckkästchen der Kunst und Kultur sind. Angefangen bei dem großartigen Projekt, das gerade im Jahr 1848 von der israelitischen Gemeinschaft von Torino bei Alessandro Antonelli in Auftrag gegeben wurde. Ein Gebäude, das dann zwar nie eine Synagoge beherbergt hat, jedoch zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist, nämlich die Mole Antonelliana.
Die heutige Kultstätte in Torino, mit deren Bau Enrico Petiti beauftragt wurde, entstand dagegen im Jahr 1884 im Stadtviertel San Salvario. Eine im maurischen Stil entworfene Synagoge, der im Jahr 1974 der kleine Tempel hinzugefügt wurde, der zwischen Gewölbedecken und unverputzten, rohen Backsteinwänden einzigartige Beispiele des piemontesischen Barocks enthält, wie beispielsweise die hellblau und golden lackierte Teva, und der von raffinierten korinthischen Kapitellen gestützte Aron.
Nicht weit entfernt von Torino kann man in Carmagnola eine Synagoge besichtigen, die als eine der schönsten der Welt betrachtet wird. Ein Ort diskreter Faszination und letzter Überrest des Gettos des 18. Jahrhunderts. Der Tempel, der traditionsgemäß das letzte Stockwerk eines Gebäudes bildet, besitzt in seinem Inneren herrliche barocke Ausstattungen aus Holz. Wertvoll ist die achteckige Teva aus dem Jahr 5526 (nach dem gregorianischen Kalender das Jahr 1766) und der fein geschnitzte Aron. In den Langhe nimmt die Synagoge von Cherasco das Aussehen einer typischen „Getto- Synagoge“ an, versteckt im Inneren eines Wohngebäudes in Via Marconi. Neben Holz- und Dekorationswerk aus dem 18. Jahrhundert, zahlreichen Lampen und Spiegelwänden hospitieren die Räumlichkeiten auch eine kleine „Schola”, wo die Torah gelehrt wurde. Auch in Cuneo wurde die Synagoge im Herzen des Gettos gebaut. Das erste Stockwerk ist heute Sitz einer Bibliothek mit antiken hebräischen Texten. Im Gebetsraum fällt eine im barocken venezianischen Stil intarsierte Heilige Arche auf. Eine Besonderheit ist die Kanzel, an der noch Spuren einer nicht explodierten Bombe zu erkennen sind, die während einer Messe auf die Synagoge fiel.
Ebenfalls im Gebiet von Cuneo sind in Mondovì und Saluzzo die Zeichen einer hebräischen Präsenz aus dem 18. Jahrhundert bewahrt. Bedeutender Zeugnisse sind in Monferrato, in Asti, Alessandria und besonders in Casale zu sehen, wo die 1595 erbaute Synagoge ein Beweis für die große Bedeutung der israelitischen Gemeinschaft im Leben dieser Gemeinde im Monferrato ist. Die hebräische Inschrift «Dies ist das Tor des Himmels» thront an dem an die Decke gemalten Himmelsgewölbe, fast als Besiegelung des Reichtums der Holzdekorationen und des Rokoko- Stuckwerks. Neben der Kultstätte können auch das Museo d’arte e storia antica ebraica (Museum für hebräische Kunst und antike Geschichte) und das Museo dei Lumi (Lichtermuseum) besichtigt werden, das eine einzigartige Sammlung von Chanukkiot zeitgenössischer Kunst beherbergt, die von weltberühmten Künstlern realisiert wurden. In Vercelli kann man ein interessantes Beispiel für Gebäude mittelorientalischen Stils bewundern, der einer Mode entspricht, die mit dem Bau des Leopoldstädter Tempels in Wien im Jahr 1858 begann und recht bald vergleichbare Projekte in ganz Europa inspirierte. Zur Errichtung des Tempels im Jahr 1878 nach einem Projekt des aus Vercelli stammenden Architekten Giuseppe Locarni, musste ein ganzer Häuserblock des ehemaligen Gettos abgerissen werden, wo sich die vorherige Kultstätte befand.

Datum letzte Aktualisierung: 02/04/2012

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